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In memoriam
Dr. Norbert Grosse

In memoriam

Dr. Norbert Grosse

Mit großer Trauer und Dankbarkeit nehmen wir Abschied von Dr. Norbert Grosse, der am 15. Oktober 2026 verstorben ist. Die Deutsche Gesellschaft für Implantologie verliert mit ihm einen hochgeschätzten Kollegen und Weggefährten, der ihre Fortbildung über viele Jahre maßgeblich geprägt hat. Seine Kompetenz, seine Verlässlichkeit und seine Zugewandtheit machten ihn zu einem Menschen, mit dem man gerne zusammenarbeitete. Er wollte die Zahnmedizin voranbringen und Kolleginnen und Kollegen dabei unterstützen, ihr Wissen und Können weiterzuentwickeln. Dieser Aufgabe hat er einen großen Teil seines Berufslebens gewidmet.


Norbert Grosse war ein bescheidener Mensch, der seine Aufgaben mit Ruhe und großer Sachkenntnis anging. Er hörte zu, bildete sich ein fundiertes Urteil und setzte sich beharrlich für das ein, was er für richtig hielt. Er musste sich nicht in den Vordergrund stellen, um viel zu bewegen. Wer mit ihm zusammenarbeitete, wusste, dass auf ihn Verlass war. Diese Haltung prägte seinen Umgang mit den Menschen ebenso wie seine Arbeit für die Zahnmedizin.

 

Seine zahnmedizinische Laufbahn begann an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Dort studierte und promovierte er und arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Zahnärztlichen Chirurgie und Prothetik. Eine akademische Laufbahn stand ihm offen. Er entschied sich für die eigene Praxis, zunächst in Wiesbaden, später in Frankfurt. Drei Jahrzehnte war er als niedergelassener Zahnarzt tätig. Die enge Verbindung zur Wissenschaft prägte auch sein Wirken in der Fortbildung.

 

Schon damals suchte Norbert Grosse auch international den Austausch mit Kollegen, von denen er lernen konnte. Mit seinem Frankfurter Study Club besuchte er renommierte Lehrer wie Albert Gerber in Zürich, Hans-Peter Weber in Boston, Myron Nevins in Swampscott und Bill Becker in Tucson. Diese Bereitschaft, von anderen zu lernen, prägte auch seinen Anspruch an die Fortbildung: Wissenschaftliches Wissen sollte für die Praxis erschlossen werden und dort den Patientinnen und Patienten zugutekommen.

 

Über Jahrzehnte organisierte und leitete er große Fortbildungsveranstaltungen. Von 1983 bis 2010 verantwortete er den Internationalen Zahnärztekongress in Davos, von 1993 bis 2009 die Veranstaltungen auf Rügen und Usedom. Er kannte die Fragen der niedergelassenen Kollegenschaft aus eigener Erfahrung und wusste, wer dazu fundierte Antworten geben konnte. Sein weitreichendes Netzwerk kam der Fortbildung immer wieder zugute.

 

Von 2006 bis 2016 war Norbert Grosse Vorsitzender der Akademie Praxis und Wissenschaft und Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Die APW lag ihm besonders am Herzen. Mit sicherem Urteil gewann er Referierende, die ihr Fach beherrschten und wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis vermitteln konnten. Dabei kümmerte er sich kontinuierlich um die Umsetzung: Er war ansprechbar und sorgte dafür, dass aus Vorhaben verlässliche Angebote wurden. Die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle schätzten ihn dafür ebenso wie für den menschlichen Umgang.

 

Mit dieser Erfahrung übernahm Norbert Grosse im Jahr 2017 die Leitung der DGI-Fortbildung im Rahmen der DGI-GmbH. Gemeinsam mit den jeweils zuständigen Mitgliedern des Vorstands und dem Team der GmbH baute er das Fortbildungsangebot neu auf und entwickelte es weiter. Bis Ende 2024 widmete er sich dieser Aufgabe. Er verband dabei den Blick für die fachliche Qualität der Referentinnen und Referenten mit dem Verständnis für die das Management solcher Veranstaltungen, das eine gute Fortbildung hinter den Kulissen erfordert. Themen und Referierende mussten zusammenpassen, Angebote sinnvoll aufeinander aufbauen und sich im Berufsalltag der teilnehmenden zahnärztlichen Kolleginnen und Kollegen bewähren. Ihm lag daran, diese auch über einzelne Kurse hinaus auf ihrem fachlichen Weg zu begleiten. Er stand sowohl dem Nachwuchs als auch erfahrenen Kolleginnen und Kollegen immer mit Rat und Tat zur Seite.

 

Für das Team der DGI-GmbH war er ein verlässlicher Partner, dem die Zusammenarbeit mit engagierten Mitstreiterinnen und Mitstreitern auch menschlich viel bedeutete. Die gegenseitige Wertschätzung war ihm selbst besonders wichtig. Noch bei seinem Abschied aus der DGI-Fortbildung betonte er, wie gut die gemeinsame Arbeit gewesen sei und wie nahe man sich auch auf der menschlichen Ebene gekommen war, über die fachlichen Aspekte hinaus. Diese Verbundenheit bleibt auch für alle Menschen, die mit ihm zusammengearbeitet und auch von ihm gelernt haben, eine kostbare Erinnerung.

 

Ging es um neue Kurse in der Fortbildung, prüfte er bestehende Angebote und griff neue Entwicklungen auf. Digitale Lernangebote sollten die Präsenzveranstaltungen sinnvoll ergänzen und die Vertiefung des Wissens unterstützen. Dabei dachte er auch an jene, die nach einer Berufspause wieder einsteigen oder ihre Kenntnisse auffrischen wollten. Sein Blick galt stets den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kollegenschaft.

 

Mit dem DGI-Vorstand arbeitete Norbert Grosse eng zusammen. Die intensiven und oft täglichen Gespräche mit dem jeweiligen Fortbildungsreferenten zeigen, wie wichtig für ihn die Kontinuität in der gemeinsamen Arbeit war. Neben seiner Erfahrung in der Fortbildung brachte er auch seine berufspolitische Expertise ein. Im Freien Verband Deutscher Zahnärzte hatte er auf Landes- und Bundesebene Verantwortung übernommen; von 1989 bis 1992 war er Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen.

 

Auch publizistisch engagierte er sich für die Wissensvermittlung. Die Fortbildungszeitschrift „wissen kompakt“ begleitete er seit ihrer Gründung 2007 als koordinierender Schriftleiter. Wissenschaftliche Inhalte übersichtlich und praxisnah aufzubereiten, war ihm ein besonderes Anliegen. Bei seinem Abschied dankten ihm die Kollegen ausdrücklich auch für die immer angenehme Zusammenarbeit.

 

Für seine Verdienste erhielt Norbert Grosse zahlreiche Ehrungen. Die DGZMK verlieh ihm 2016 die Ehrenmitgliedschaft und würdigte damit insbesondere die Weiterentwicklung der APW und den Aufbau ihrer digitalen Wissensplattform. Mit der Karl-Ludwig-Ackermann-Medaille ehrte die DGI 2024 sein herausragendes Lebenswerk. Diese Auszeichnung war auch Ausdruck unserer Dankbarkeit für die vielen Jahre, in denen er sich mit all seiner Erfahrung und seiner Tatkraft für die Gesellschaft und ihre Fortbildung eingesetzt hatte.


Norbert Grosse lebte in den letzten Jahren im Chiemgau, wo er im Ruhestand Spaziergänge und Wanderungen in den Bergen sehr genoss. Bis kurz vor seinem Tod war er dort noch unterwegs. Die Freude an der Natur und an der Bewegung begleitete ihn bis zuletzt.

 

Wir werden Norbert Grosse als einen Kollegen in Erinnerung behalten, der viel und viele bewegte und dabei bescheiden blieb. Sein Wirken lebt in der Fortbildung unserer Gesellschaft und im Wissen der vielen Kolleginnen und Kollegen weiter, die davon profitiert haben. Uns fehlen sein Rat, seine Verlässlichkeit und die menschliche Nähe, die er selbst so zugewandt vermittelte und selbst auch schätzte. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und allen, die ihm verbunden waren.

 

Im Namen des Vorstandes, des Teams der DGI-GmbH und aller Mitglieder der DGI

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