Zahnzwischenraumpflege: Hauptsache „Machen“

In fast schon regelmäßigen Abständen kommen Testergebnisse rund um die Zahnzwischenraumpflege in die Medien. Meist gibt es einen „Gewinner“: ein Produkt schneidet als „besser“ ab im Vergleich zu den anderen. Zahnseide, Interdentalraumbürstchen, Zahnzwischenraumspülungen, Mundduschen – egal was: Darauf kommt es letztlich aber nicht wirklich an, macht ein Beitrag in einem renommierten internationalen wissenschaftlichen Implantologie-Journal deutlich. Wichtig ist, dass diese Hilfsmittel regelmäßig zusätzlich zur Zahnbürste genutzt werden. Denn alle Produkte in diesem Segment dienen der „mechanischen Biofilmkontrolle“, kurzgesagt: Mit einem zuhause nutzbaren Hilfsmittel kann man selbst die Zahnbeläge zwischen den Zähnen entfernen. Eine grundsätzliche Überlegenheit eines Systems gegenüber einem anderen sei nicht feststellbar, so die Wissenschaftler. Viel wichtiger sei, beispielsweise um die Hygiene rund um ein Zahnimplantat zu sichern, dass die Patienten ein Produkt finden, mit dem sie erfolgreich den bakteriell belasteten Zahnbelag entfernen. Während jemand mit steif gewordenen Händen vielleicht eher mit einer speziellen Munddusche zurechtkommt, können andere Zahnseide um die Finger wickeln oder mit unterschiedlich großen Bürstchen unterschiedlich breite Zahnzwischenräume gründlich reinigen. Nur eines sei wirklich relevant für die Erhaltung der Mundgesundheit: dass der Zahnzwischenraum ebenso geputzt wird wie die Zähne und die Zahnfleischränder. Was am besten zu den eigenen Fertigkeiten passt, kann man in seiner Zahnarztpraxis mit den Experten für Prophylaxe besprechen, ausprobieren und trainieren.

Zahnverlust: Auswirkungen auf den Körper

Immer mehr Studien belegen inzwischen, dass verloren gegangene Zähne nicht nur die Mundgesundheit in vielerlei Weise beeinträchtigen, sondern auch die Allgemeingesundheit. Für die Mundregion bedeutet Zahnverlust eine Beeinträchtigung des harmonischen Gesichtsprofils und einer stabilen Kieferstruktur. Insbesondere wenn mehrere Zähne verloren gehen, verändert sich das Zusammenspiel von Kieferknochen, Gesichtsmuskulatur und auch der Haut. Kopfschmerzen können die Folge sein, auch Kiefergelenkschmerzen mit Auswirkungen auch auf den Nacken- und Schulterbereich. Die Lippen werden oft schmaler und lassen die Mundregion alt wirken. Die Folgen von Zahnverlust zeigen sich aber auch auf ganz anderen Ebenen: Wissenschaftler haben rund 23.000 Probanden-Daten der US-amerikanischen Gesundheitsstudie ausgewertet mit dem Blick auf einen Zusammenhang von Zahnverlust und Schlaganfall. Das Ergebnis: Bei Menschen mit Schlaganfall-Risiko steigt dieses Risiko mit jedem verlorenen Zahn an. Probanden der Studie, die bereits einen Schlaganfall erlitten hatten, hatten deutlich mehr Zähne verloren als die Vergleichsgruppe ohne Schlaganfall-Geschichte. Wer keinen einzigen eigenen Zahn mehr hat, hat laut der Auswertung der Wissenschaftler ein mehr als doppelt so hohes Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen als Vergleichs-Personen mit vollständigen Zahnreihen. So eindeutig das wirkt: Noch seien das nur Datenbilder, es müsse noch geforscht werden, was genau zu solchen Ergebnissen führt und warum. Weitere Studien sind daher in Vorbereitung.

Parodontitis: Helfen Antidepressiva?

Wenn es um die Vermeidung oder Behandlung einer Parodontitis geht, denkt man üblicherweise an sehr sorgfältige Mundhygiene, professionelle Zahnreinigung, notfalls chirurgische Eingriffe und Antiinfektions-Medikamente. Dass man auch hinter dem Tellerrand der Erfahrungen noch wirksame Möglichkeiten findet, bewies jetzt ein Team von US-Wissenschaftlern: Sie entdeckten den schützen Aspekte von Antidepressiva. Man hätte vermuten wollen, dass jemand, der unter behandlungsbedürftiger Depression leidet, eher mit mehr Mundgesundheitsschäden zu kämpfen hat – zumal Antidepressiva bekannt dafür sind, dass sie zu Mundtrockenheit führen, die wiederum ein hohes Kariesrisiko darstellt. Nun aber muss man die Arzneigruppe offenbar neu betrachten: Fast 10.000 erwachsene Teilnehmer an einer Studie, die von einem renommierten Fachjournal angenommen wurde, sind schon ein starkes Gewicht für die Relevanz der Ergebnisse der Forschungsarbeit. Die Wissenschaftler stellten fest, dass Patienten, die Antidepressiva nehmen, ein geringeres Risiko haben, eine Zahnbettentzündung zu bekommen, und wenn, dann eine leichtere Form. In schweren Depressions-Fällen zeigte sich sogar ein sehr deutlicher Schutz vor Parodontitis-Entstehung. Dass Zahnfleischerkrankungen und Depressionen in Wechselwirkung zueinander stehen, war schon länger bekannt, welche Rolle dabei Antidepressiva spielen, sei nun genauer in den Blick genommen worden. Spannend wird die weitere Suche nach den Gründen, um vielleicht eine vergleichbare Wirkung zu erzielen, ohne dabei auf antidepressiv wirkende Medikamente zurückgreifen zu müssen.

Zähneputzen: ja – aber nicht gut

Bekanntermaßen kommt es beim Zähneputzen darauf an, dass die Zahnbeläge entfernt werden und man nicht nur über die Zahnflächen hinwegputzt. Weil die Mundgesundheit und letztlich auch die Allgemeingesundheit an erfolgreicher Mundhygiene hängen, werden auch immer wieder Studien gemacht, ob sich das Wissen und Können beim Zähneputzen inzwischen verbessert hat. Auch die Universität Gießen hat solche Daten jüngst wieder erhoben, durch eine Laborstudie an mehr als 1000 Probanden. Die leitende Professorin Dr. Renate Deinzer begann die Vorstellung der Ergebnisse zuerst mit einem großen Kompliment an die Bundesbürger: Es gebe kein vergleichbares Gesundheitsverhalten wie Mundhygiene, das von der Mehrheit der Bevölkerung mit so großer Konsequenz praktiziert werde. Hinsichtlich der Qualität zeigten die Studienergebnisse aber noch Luft nach oben. Es gelinge den meisten Menschen in allen Altersklassen nicht gut, tatsächlich die gesamten Beläge auf und zwischen den Zähnen sowie am Zahnfleischrand zu entfernen. Insbesondere die Plaque am Zahnfleischsaum sei eine wesentliche Ursache für Zahnfleisch- und Zahnbettentzündungen. Videostudien hatten gezeigt, dass beim unstrukturierten „Schrubben“ manchmal ganze Zahnbereiche, zumal die innenliegenden Flächen völlig vergessen wurden. Die Wissenschaftlerin erinnert daran, dass es beim Zähneputzen nicht auf die Dauer und die verwendete Zahnbürste ankomme, sondern letztlich einzig das Ergebnis zähle: Sorgfältige Mundhygiene sei genauso erlernbar wie Schönschreiben in der Schule. Die Zahnarztpraxen seien dafür die richtige Lern-Adresse.

Napoleons Niederlage: Zähne klären auf

Das Jahr 1812 war einschneidend für die Entwicklung der Länder auf unserem Kontinent – und nicht ohne Grund gibt es ein dramatisches Musikwerk gleichen Titels des russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowsky. Napoleon war mit fast 600.000 Soldaten aus unterschiedlichen Ländern auf dem Weg nach Russland, um das Land zu erobern. Er hat es nur bis Moskau geschafft – aber ohne größere Siege. Zum Jahresende erfolgte der Rückzug, mehr als die Hälfte der napoleonischen Armee überlebte Hunger, Kälte und Krankheiten nicht. Was für Krankheiten waren das eigentlich, die die Soldaten neben den äußeren Umständen das Leben kostete? Eine Biologie-Wissenschaftlergruppe untersuchte das Erbgut aus dem Inneren der Zahnwurzeln geborgener napoleonischer Kämpfer und fand vor allem zwei Erreger, die die Vermutung der damaligen Ärzte untermauerten: eine Salmonellen-Unterart, die für Paratyphus verantwortlich ist, und eine Borrelien-Gruppe, die sogenanntes Rückfallfieber auslöst: Das Fieber kommt und geht, kommt und geht. Für die durch die Umstände und Durchfall bereits geschwächten Soldaten war das tödlich. Die aktuelle Studie an Zahnmaterial hat damit belegt, welche große Rolle Infektionskrankheiten für die damalige Kriegsführung spielten – und wie sie letztlich die politische Weltordnung beeinflusst haben.

Stillen: Ja, aber wie lang?

Stillen ist ein schwieriges Thema in der Bevölkerung, weil es begleitet wird durch viele Mythen und Glaubensrichtungen und durch unterschiedliche Emotionen. Das zeigt aber auch, dass der Bevölkerung das Stillen sehr wichtig ist und sie dieses stark unterstützt. Insofern ist es nicht ganz unheikel, wenn sich die zahnmedizinische Wissenschaft mit klarer Datenlage befasst: Fakten sind in manchen Kreisen kein zu respektierendes Kriterium. Dennoch ist solche Forschung stark zu unterstützen, weil sie eine handfeste Daten-Alternative zu Meinungen bietet. Eine solche Arbeit zum Thema Stillen haben gerade brasilianische Forscher vorgelegt. Hier stand insbesondere die Dauer der Muttermilch-Gabe im Fokus. UNICEF, WHO und viele Wissenschaftliche Einrichtungen empfehlen für das erste halbe Lebensjahr des Kindes Ernährung ausschließlich durch Stillen, danach mindestens 24 Monate einen Mix aus Stillen und zunehmend integrierter altersgerechter Ergänzungsnahrung. Dabei ist zu bedenken, dass diese Empfehlungen für unterentwickelte Länder mit begrenzten Zugangsmöglichkeiten zu Ernährung eine andere Gewichtung haben als für Länder mit einer Vielzahl altersgerechter Nahrungsangebote. Die brasilianischen Forscher wollten vor allem wissen, welche Folgen die lange Muttermilchernährung für die Milchzahngesundheit hat: Muttermilch ist deutlich zuckerhaltiger als Alternativ-Ernährung. Einbezogen in die Studien wurden acht große Datenbanken. Die Ergebnisse raten zu neuen Aufklärungsmaßnahmen und kritischer Haltung gegenüber den Empfehlungen von UNICEF und WHO zumindest für unsere Region: Das Risiko, eine frühkindliche Karies (ECC / Early Childhood Caries) zu entwickeln, so das Studienergebnis, war bei den gestillten Kindern dreimal höher als bei den anderweitig ernährten.

Mundschleimhaut: Leukoplakien-Behandlung

Laut entsprechender Datenerhebungen zeigt jeder vierte Bundesbürger Mundschleimhautveränderungen, die untersucht werden sollten. Erfreulicherweise gingen die meisten Diagnosen für die Patienten positiv aus, so eine Mainzer Studie, dennoch bleiben solche Veränderungen im Blick, da manche nach Jahren doch noch eine ungesunde Entwicklung machen. Auch aktuell harmlose Stellen in Mund können in Richtung Mundschleimhautkrebs entarten. Insbesondere Veränderungen, die als „Lichen planus“ bekannt sind oder als „Leukoplakien“ sollten regelmäßig nachkontrolliert werden. Leukoplakien (nicht abwischbare, in der Regel schmerzfreie weiße Stellen auf der Haut) haben dabei weltweit das häufigste Potential zu einer malignen Veränderung, also der ungesunden Vermehrung bösartiger Zellen. Je nach Entwicklung reicht bei leichten Fällen eine regelmäßige Kontrolle und das Weglassen schädlichen Verhaltens, hier insbesondere das Rauchen. Es ist nicht selten, dass sich die Hautschäden zurückbilden. In anderen Fällen kann eine komplette Entnahme des belasteten Gewebes notwendig sein. Ist eine Krebserkrankung bestätigt, sollte die Behandlung, so die Wissenschaftler, am besten interdisziplinär in Verbindung mit einem onkologischen Zentrum erfolgen.

Zahnärzteschaft: Politik bestätigt Präventionserfolge

Dass die Präventionsbemühungen der deutschen Zahnärzteschaft nicht nur sehr erfolgreich sind, sondern dieser Erfolg auch gesehen und gewürdigt wird, zeigte die zurückliegende Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer. Zu dieser Veranstaltung kam Bundesgesundheitsministerin Nina Warken persönlich. Sie betonte, Zahnärztinnen und Zahnärzte deckten einen unverzichtbaren Teil der Gesundheitsversorgung ab. Dafür wolle sie sich bedanken. Von der zahnärztlichen Versorgung ließe sich einiges lernen: Die Ausgaben dafür seien in den zurückliegenden Jahren kaum gestiegen, während sich die Zahngesundheit deutlich verbessert habe. Die gute Entwicklung sei, so die Ministerin, das Ergebnis des zahnärztlichen Engagements und der klaren Ausrichtung auf Prävention und habe Vorbildfunktion. Lobenswert fand die Gesundheitsministerin auch den ganzheitlichen Blick der Zahnärzteschaft auf die Gesundheit sowie auf die Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen. Elektronische Verfahren in der Verwaltung bezeichnete sie als „echte Leuchtturmprojekte in der Versorgung.“ Das Ministerium begleite die Entwicklung auf vielfachen Themen-Ebenen, darunter die Versorgung in den ländlichen Regionen sowie den Punkt Fachkräftemangel. In seinem Dank für das lobende Grußwort sagte Prof. Dr. Christoph Benz, Präsident der Bundeszahnärztekammer, die Ministerin habe mit ihrem Hinweis auf den notwendigen Bürokratieabbau die Zahnärzteschaft voll hinter sich und betonte, Deutschland sei „Weltmeister in der Mundgesundheit.“

Knirschen: nicht gut für Implantate

Auch wenn man sich das selbst mit laienhaftem Wissen gut vorstellen kann, ist es doch gut für Wissenschaft und Praxis, wenn eine Studie das auch untermauert: Knirschen erweist sich als Risiko über das Langzeitüberleben von Zahnimplantaten. Wie ein Beitrag in einer großen Fachzeitschrift darstellt, führen solche nicht natürlichen Belastungen wie Knirschen oder Zähnepressen zu Problemen in der Mechanik des Implantates mit seinem Zahnkronenaufbau. Die Folgen dieser Fehlbelastung sind vielfältig und reichen bis hin zu Brüchen von Zähnen und Implantaten. Ein großes Gewicht legten die Wissenschaftler daher auf den Punkt, wie man solche Stress-Belastungen vermeiden kann. Begrenzte Erfolge hatten demnach Physiotherapie, spezielle Schienen und auch individuelle Patientenberatung. Was sich dabei kaum veränderte, war die kraftvolle Arbeit der Muskulatur. Daher konzentrierte sich die Arbeit der Forscher auf Möglichkeiten, die Muskulatur zu entspannen. Hierbei erwies sich „Botox“ (Botulinumtoxin Typ A) als sehr hilfreich für eine zeitweilige Muskelentspannung. Der Effekt: Die überaktive Muskulatur entwickelte sich zurück, die Schmerzen und der Kaudruck waren ebenso reduziert wie der Abbau der Kieferknochen um das Implantat und die Anzahl der Implantatverluste. Noch fehlen dazu weitere Tests und auch Vorgaben zum standardisierten Vorgehen. Dennoch deutet sich an, dass das seit Ende des 20. Jahrhunderts genutzte Arbeiten mit Botulinumtoxin bei Knirschen und Pressen, aber auch bei Migräne erfolgsversprechend ist und hinsichtlich einer Vermeidung von Misserfolgen bei Zahnimplantaten in Langzeitstudien weiter geprüft werden sollte.

Fluorid: gut für IQ-Entwicklung

Eine ebenso steile wie unbewiesene Meinung, als Fachwissen deklariert, geistert schon längere Zeit durch die „sozialen Medien“ und durch entsprechend empfängliche Elternkreise: Fluorid mache dumm, lautet diese Meinung. Vielleicht kann die aktuelle Langzeitstudie einer US-Wissenschaftlergruppe hier etwas Bewegung in die Debatte bringen? Anlass war die Frage, ob Trinkwasser fluoridiert werden solle oder nicht. Unabhängig von der Frage, wie man grundsätzlich zu einer „Behandlung“ von Trinkwasser steht, geht es darum, dass der natürliche Fluoridgehalt im Trinkwasser in den verschiedenen Regionen der USA und der Welt sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Und dass andere Studien zeigen, dass Kinder und Erwachsene in Regionen mit eher etwas höherem Anteil an natürlichem Fluorid die mit Abstand gesünderen Zähne haben. Was die Wissenschaftlergruppe von den bisherigen „Studien“ zum Thema hält, hat sie mit „nicht repräsentativ, nicht vergleichbar, nicht relevant“ ziemlich klar gemacht –zumal die untersuchten Kinder-Gruppen in eher sehr armen, ländlichen Bevölkerungsgruppen in Mexiko, China oder Indien lebten. Die aktuelle Studie basiert auf Daten von über 58.000 US-Jugendlichen aus 1980, über 25.000 wurden in den Folgejahren mehrfach befragt, die meisten Teilnehmer waren im Abschlussbefragungsjahr 2020 schon über 60 Jahre alt. Das Ergebnis in Kurzform: Junge Menschen, die mit empfohlenen Fluorid-Mengen im Trinkwasser groß wurden, hatten deutlich bessere kognitive Fähigkeiten im Wortschatz- und Lese-Vermögen sowie in mathematischen Fähigkeiten. Bilanz der Forscher: „Die Ergebnisse zeigen, dass die Trinkwasserfluoridierung Vorteile für die kognitive Entwicklung von Jugendlichen hat und schlimmstenfalls nicht schädlich fürs weitere Leben ist.“