Social Media: Schönheitsideal Zähne

Insbesondere für viele Jugendliche sind die verschiedenen Kanäle auf Social Media ihr Leit-Medium für den gesellschaftlichen Alltag – und für ihr Selbstwertgefühl. Dass hier viel mit Bearbeitungsprogrammen nachgeholfen wird, ändert wenig daran, dass spezielle Schönheits-Vorbilder Furore machen und auf der anderen Seite zu Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen führen. Auch schöne Zähne sind ein „Bewertungsfaktor“. Neuseeländer Forscher haben zur Frage, wie gewichtig diese „Zähne-Vorbilder“ für Jugendliche sind, kürzlich eine Studie gemacht. Sie haben untersucht, welche konkreten Auswirkungen Social Media und Marketing auf das Selbstwertgefühl junger Menschen haben. Befragt wurden sowohl Eltern als auch die Kinder und Jugendlichen selbst. Wenig überraschend war der Punkt, wie man von Gleichaltrigen in der digitalen Welt wahrgenommen und beurteilt wird, sehr wichtig für das Selbstbewusstsein der jungen Menschen. Wie die eigenen Zähne wirken, war wichtiger als deren reale Attraktivität oder ihre natürliche Gesundheit. Da die Wirkung „schöner Zähne“ eine so erhebliche Rolle hinsichtlich des Wunsches nach sozialer Akzeptanz spielt, zumal bei solchen Jugendlichen, die sich aktiv auf Social Media bewegen, sollten, so die Empfehlung der Forscher, Zahnärztinnen und Zahnärzte sich mehr mit dieser Thematik befassen und Jugendliche auch direkt ansprechen, wie sie sich mit ihren Zähnen fühlen – Selbstvertrauen gelte es zu stärken und beispielsweise auf Online-Bearbeitungsfilter bei „Vorbildern“ hinzuweisen. Mit gesunden eigenen Zähnen gehe man schließlich durchs ganze Leben, wenn Social Media-Filter längst keine Rolle mehr spielen.

Gesundheitssysteme: Auswirkungen auf Kindermundgesundheit

Hat es einen Einfluss auf ihre Mundgesundheit, wenn Kinder in dem einen oder dem anderen europäischen Land geboren werden? Ja, das kann unter bestimmten Voraussetzungen so sein, bilanziert eine internationale Forschergruppe das Ergebnis ihrer entsprechenden Studie. Sie hatten für ihre Untersuchung, weil die Gesundheitssysteme in diesen Ländern die größten Unterschiede aufweisen, Spanien, Deutschland, Irland, Dänemark, Schottland und Ungarn ausgewählt. Manche Länder betreuen und behandeln alle Kinder in steuerfinanzierten staatlichen Stellen, manchmal ist der Zugang unterschiedlich geregelt – in anderen Ländern sind Kinderbehandlung und Vorsorgemaßnahmen überwiegend Privatleistung. In Deutschland kümmern sich unabhängige Zahnärzte um alle Kinder, die Kosten tragen die gesetzlichen und die privaten Krankenversicherungen. Ungarn hatte früher ein staatliches System, heute ist auch die Kinderversorgung überwiegend privatisiert. In einer Reihe von Ländern ist die Kinderbehandlung bis zum 18. Lebensjahr kostenlos, in anderen Ländern ist die kostenlose Versorgung vom Alter des Kindes und manchmal auch von der Wohnregion abhängig. Minimal- oder Notfallbehandlung ist in allen Ländern meistens kostenfrei, in Spanien müssen Milchzahnbehandlungen allerdings selbst bezahlt werden. Einige Länder legen größeren Wert auf Prävention, andere wie Spanien favorisieren den Erhalt der bleibenden Zähne. In manchen Ländern ist die Wirtschaftskraft der Eltern maßgebend für eine mundgesunde Kindheit – in anderen ist sie voll staatlich abgedeckt. Auch wenn Deutschland im Gesamtbild durch sein System gut abschneidet, erreichen die Angebote die Kinder in bildungsfernen Elternhäusern nicht genug. Europa, so das Resümee der Wissenschaftler, müsse sich bei der Kindermund-Gesundheit mehr um die Prävention kümmern – und um niedrigschwelligen Zugang, um Benachteiligungen auszuschließen.

Bisphosphonate: Kann man implantieren?

Bisphosphonate (sowie vergleichbare Medikamente) gehören zu einer Medikamentengruppe, die „Antiresorptiva“ genannt wird. Diese Arzneimittel werden eingesetzt bei Menschen mit knochenschädigenden Erkrankungen und speziellen Krebs-Arten. Solche Knochenschäden zeigen sich als Osteoporose: Der Knochenstoffwechsel ist gestört, das stabile Gerüst und Gewebe des Knochens löst sich zunehmend auf, der Halt lässt nach und das ehemals feste Gewebe wird löchrig. Antiresorptiva haben die Aufgabe, diesen Prozess zu stoppen oder zu reduzieren. Ziel: den Knochen so stabil wie möglich zu erhalten. Zu beachten ist dabei: Insbesondere bei bestehenden Mundinfektionen wie einer Parodontitis oder in anderen Fällen von eingebrachten krankmachenden Bakterien kann es bei diesen Antiresorptiva in sehr seltenen Fällen zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Der Knochen wird dann in der infizierten Region nicht gestärkt, sondern geschwächt. Es wird weniger neuer Knochen aufgebaut als sich vorhandener Knochen auflöst. Dass es dieses seltene, aber bekannte Risiko bei Antiresorptiva geben kann, ist auch aus zahnmedizinischer Sicht relevant: Ist ein Implantat geplant, benötigt es einen stabilen Knochen als Halt. Die wissenschaftliche Fachgesellschaft für Zahnimplantate, die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI), hat kürzlich wieder die Experten entsprechender Fachgesellschaften zu einer Neubewertung der Leitlinien zur implantologischen Behandlung von Patienten in Antiresorptiva-Behandlung eingeladen – schließlich entwickeln sich Wissenschaft und Technik ja immer weiter. Im Ergebnis zeigte sich, dass die bisherigen Empfehlungen letztlich weiterhin Gültigkeit haben. Es ist möglich, bei diesen Patienten im Fall von Zahnverlust eine stabile Kaufähigkeit durch eine Implantatbehandlung zu schaffen – wenn die Planung bereits alle Risiken durch die Erkrankung, ihre Therapie und Begleittherapien berücksichtigt. Dazu gehört auch, dass der Zahnersatz zu möglichst wenig Belastung des Zahnbettes führt. Letztlich können Implantate bei Menschen in Antiresorptiva-Therapie ebenso gut gesetzt werden wie bei knochengesunden Patienten – allerdings wird neben der risiko-angepassten Planung auch eine entsprechend ausgerichtete intensive Mundhygiene sowie regelmäßige Kontrolle („Recall“) empfohlen. Hier ist der deutlichste Unterschied zur zurückliegenden Leitlinie: Dieser Recall ist jetzt nicht nur angeraten, sondern erhielt übereinstimmend den Beschluss: „starke Empfehlung“.

Heilen mit der Natur: Jackfrucht

Während man im Mittelalter nicht wirklich Alternativen zu Pflanzenwirkstoffen hatte, eroberten sich zuletzt Arzneimittel aus dem Labor die Medizin, von Prävention bis Therapie. Manche Medikamente allerdings kommen inzwischen an ihre Grenzen, und mit dieser Entwicklung einher geht der Trend, in der Natur Assistenzstoffe zu finden, die das Gesundwerden verbessern. Mal als alleinige Alternative zum Medikament, mal in Kombination mit bekannten Pharmaka. Insbesondere rund um Infektionen wird die Wissenschaft immer wieder fündig: Diesmal ist es die brasilianische Jackfrucht, die ein ermutigendes Potential zeigt. Eine Wissenschaftlergruppe an der Universität in Sāo Paulo, Brasilien, hat ihre Inhaltsstoffe gemixt mit einem antimikrobiell wirkenden Extrakt aus Granatapfelschalen und einem etablierten Arzneimittel, Simvastatin, aus der Gruppe der Statine, die vor allem zur Senkung des Cholesterinspiegels verschrieben werden, aber auch entzündungshemmende Wirkung haben sowie die Knochenbildung stimulieren können. Man spricht in solchen Fällen von multifunktionalen Biomaterialien, die kontrolliert klar bestimmte Aufgaben erfüllen. Ziel des Forschungsversuches: die Behandlung der Zahnbettinfektion „Parodontitis“ zu verbessern und Regeneration von Gewebe zu stimulieren. Mit dem Jackfruchtlatex-Mix, der aufgrund seiner Konsistenz im Aufgabengebiet anhaftet, konnte erreicht werden, dass die Wirkstoffe über längere Zeit kontinuierlich an die entzündete Gewebe-Region abgegeben werden. Der Laborversuch hat gezeigt, dass der Effekt nach 21 Tagen sogar noch erfolgreicher war als beim Start. Grund genug, die ersten Ergebnisse auszuwerten, das Verfahren zu verfeinern und weiteren Tests zu unterziehen. Wichtig für Fans der Naturmedizin: Alle Inhaltsstoffe von Biomaterialien werden sorgfältig selektiert und gereinigt – und die Konzentration wird überprüft. Nur so können unerwünschte Nebenwirkungen reduziert oder ausgeschlossen werden.

Jetzt auch in der Zahnmedizin: Probiotika

Probiotika kennen die meisten Menschen hierzulande aus der Joghurt-Abteilung ihres Supermarktes oder dem Angebot ihrer Apotheke: Lebende Mikroorganismen, darunter Milchsäurebakterien und Hefe-Stoffe, helfen beim Erreichen eines biologisch gesunden Gleichgewichtes. Nun wird das Thema auch in der Prävention von Munderkrankungen immer interessanter. Bekanntlich werden sowohl Karies (hier: Streptococcus mutans) als auch Parodontitis (hier: Porphyromonas gingivalis) von Bakterien ausgelöst. In solchen Fällen ist das natürliche biologische Gleichgewicht in den vielfältigen Keimfamilien im Mund gestört. Wie in anderen Schleimhautbereichen könnten, so eine saarländische Forschergruppe, Probiotika vielleicht auch im Mund für einen ausgeglichenen Biofilm sorgen? Die Frage war zudem: Wie bleiben die Probiotika im Mundraum aktiv und werden nicht sofort geschluckt und verdaut? Und welche Mikroorganismen sind im Mund gezielt wirksam? Letztere Frage war bald beantwortet: das Milchsäurebakterium Lactobacillus reuteri. Es gilt als „gutartiger Keim“ und hilfreich im gesamten Verdauungstrakt, also auch im Mund. Dann bliebt noch zu klären: Wie bekommen wir die L. reuteri nützlich für den Mundraum? Dafür entwickelten die Saarländer Wissenschaftler einen „Haftfilm“, der auf den Zahnschmelz aufgetragen wird und kontinuierlich die Probiotika in den Mundraum abgibt. Die Tests zeigten: Der Plan geht auf. Die Zähne aus der Studienreihe, die mit dem „Haftfilm“ beschichtet waren, hatten deutlich weniger krankmachende Bakterien. Jetzt gab es für die Forschergruppe erst einmal einen Wissenschaftspreis für ihre Arbeit. Insofern wird sicher weiter geforscht, ob das, was im Labor erfolgreich war, auch am Menschen wirkt. Wir dürfen gespannt sein.

Zähneputzen: mit der Hand kürzer

Bis man seine Zähne und die Zahnzwischenräume wirklich gründlich gereinigt hat, also so sauber, wie es die Teams in den Zahnarztpraxen empfehlen, dauert es seine Zeit. Bei Umfragen unter Erwachsenen, wer sich wie und wie oft und wie lang seine Zähne putzt, kommen nicht selten Selbsteinschätzungs-Ergebnisse heraus, die der sachkundigen Prüfung nicht standhalten. Nun haben sich niederländische Forscher der Frage „Putzdauer“ angenommen und eine Vielzahl an Studien und Erhebungen ausgewertet. Dabei musste erst einmal unterschieden werden nach Selbstauskünften der Studienteilnehmer und fachlicher Beobachtung ihres realen Putzverhaltens. Die gemessene Zeitspanne zog sich von 33 Sekunden (deutlich unter der fachlichen Empfehlung) bis fast 160 Sekunden. Letztlich ging es auch darum, mit welchem Mundhygiene-Hilfsmittel am längsten geputzt wurde. Hier erwies sich die Handzahnbürste als zeitlicher Verlierer: In Durchschnitt kam sie deutlich kürzer zum Einsatz als elektrische Zahnbürsten. Das Forscherteam stellte allerdings auch fest, dass sich die Handzahnbürsten-Putzdauer in den letzten Jahren verbessert habe – noch immer fehlt aber rund eine halbe Minute bis zur empfohlenen Hygiene-Qualität. Nichts verändern an der Putzdauer müssen die Nutzer von elektrischen Zahnbürsten: Zumindest die Zeitspanne ist ausreichend. Falls es an der Qualität des Ergebnisses noch etwas zu optimieren gilt, stehen die Zahnarztpraxen als Fachberatung gern zur Verfügung – auch für die Handzahnbürsten-Fans.

Antibiotika-Alternativen: Phagen im Blick

Auf die Zeit, wenn Antibiotika nicht mehr gegen alle Infektionen wirken, will die Medizin weltweit gut vorbereitet sein – daher laufen an wissenschaftlichen Hochschul-Instituten, aber auch in anderen Forschungszentren viele Studien zu möglichen Alternativen. Dabei stehen vor allem Pflanzenwirkstoffe im Zentrum – aber immer öfter auch Keime. Die Europäische Union hat jüngst der Universität Frankfurt und vielen weiteren angeschlossenen Instituten rund 15 Millionen Euro Fördergelder zugesagt für wissenschaftliches Arbeiten zu genau solchen Studien: Was können Keime als Waffe gegen Infektionen ausrichten? Bei Infektionen sind meist Bakterien die Auslöser – insofern müssen es also Keime sein, die Bakterien bekämpfen können. Hier haben bereits in der Vergangenheit bestimmte Viren beeindruckende Leistungen gezeigt: die sogenannten Phagen. Der besondere Reiz: Phagen selektieren. Sie greifen nicht das gesamte bakterielle natürliche Biotop an, sondern gezielt nur eine jeweils bestimmte Spezies. Das Frankfurter Wissenschaftler-Team experimentiert mit Phagen zur Behandlung von Harnwegsinfektionen – solche Entzündungen können unter Umständen zu einer lebensbedrohlichen Sepsis führen. Als „Arbeitsfeld“ gilt der Darm mit seiner großen Vielfalt an unterschiedlichen Keimen. Dabei nutzen die Forscher eine Art „Gen-Schere“, um gezielt bestimmte Gruppen von Koli-Bakterien („Escherichia coli“) einzudämmen. Danach wird die lebenswichtige Darmflora wieder in ein gesundes Gleichgewicht gebracht, um sie widerstandsfähiger gegen bakterielle Überlastungen zu machen und als Infektionsschutz zu stärken.

Mundkrebs: Frauen haben andere Risiken

Das verbreitete Wissen zu Mundkrebs liest sich meist so: Betroffen sind vor allem Männer, die zu erhöhtem Konsum an Alkohol und Tabak neigen. Das ist zu kurz gedacht, zumindest, wenn man davon ausgeht, dass die Daten einer großangelegten US-Studie auch auf hiesige Situationen übertragbar sind. Über 30 Jahre hat ein Wissenschaftler-Team mehr als 200.000 Studienteilnehmer hinsichtlich vielfältiger Risikofaktoren für herausfordernde chronische Erkrankungen wie Krebs untersucht – und zwar in Zeitabständen mehrfach. Dabei zeigte sich, dass besonderes Augenmerk auf die weiblichen Studienteilnehmer gelegt werden sollte: Es hatte sich gezeigt, dass im Verlauf der 30 Jahre Studienlaufzeit 102 neue Mundkrebsfälle bei Männern auftraten – und 124 neue Fälle bei den Frauen. Quergeprüft wurde bei der wissenschaftlichen Arbeit, welche Rolle die Ernährung spielen könnte. Daher wurden die Studienteilnehmer in drei Ernährungsgruppen eingeteilt: eine Gruppe mit eher gesunder und mediterraner Ernährung („PD“), eine mit fleischhaltiger Ernährung plus Zucker und Fertiggerichten („WD“) und eine dritte Gruppe mit überwiegend Nutzung gesundheitsschädlicher Lebensmittel („AH“). Dabei zeigte sich erstens, dass die Art der Ernährung bei Frauen das Mundkrebs-Risiko beeinflusst – bei Männern dagegen eher nicht. Was das Risiko bei den weiblichen Studienteilnehmern betrifft, hatten diejenigen mit „PD“-Ernährung das geringste Risiko für die Entwicklung eines Mundkrebses. Wenn sie nicht oder kaum rauchten und Alkohol tranken, aber sich wenig an der „PD“-Ernährung orientierten, hatten sie deutlich mehr Erkrankungsrisiko: Der Faktor „PD“ war also der ausschlaggebende. Anhand der Vielfalt der Datenauswertungen schließen die Wissenschaftler darauf, dass vor allem die gesunde Ernährung das Mundkrebs-Risiko für Frauen senkt. Bei Männern fanden sich dafür keine Belege. Wichtig ist der Forscher-Gruppe, dass insgesamt die Rolle der Ernährung auf die Entwicklung eines Mundkrebses vergleichsweise gering ist. Die Studie diente nicht zuletzt dazu, die Relevanz der Ernährung zu überprüfen.

Zähne: stille Botschafter von Eßstörungen

Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) leidet fast jede fünfte junge Frau und jeder 50. junge Mann an einer der vielfältigen Formen einer Eßstörung. Das Robert-Koch-Institut präzisiert die Daten bei den Mädchen. Demnach ist rund ein Drittel aller jungen Fragen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren von einer Essstörung betroffen. Unabhängig von solchen statistischen Daten ist eine Eßstörung für jeden einzelnen Menschen, zumal in der Wachstumsphase, eine psychisch und körperlich erhebliche Belastung. Was vor der Familie und dem Freundeskreis nicht selten gut verborgen wird, sieht das zahnärztliche Behandlungsteam bei Kontrolluntersuchungen. Bei manchen ist der Zahnschmelz geschwächt, die Zähne neigen zum Abbrechen, der Mund ist trocken, die Schleimhaut überempfindlich – klassische Signale einer Magersucht.
Zudem heilen Verletzungen nur langsam, weil das Immunsystem geschwächt ist. Wie der Mundgesundheits-Informationsdienst proDente weiter berichtet, finden sich bei Bulimie die gravierendsten Zahnschäden, und zwar typischerweise an den Zahninnenseiten im Oberkiefer. Hier löst aggressive Magensäure als Folge von hervorgerufenem Erbrechen den Zahnschmelz auf, außerdem führt die Magensäure zu Verletzungen am Zahnfleisch und an den Schleimhäuten. Essstörungen können lebensgefährlich werden: 2024 starben in Deutschland 74 Menschen daran, vor allem an Magersucht. In den Zahnarztpraxen sind die Herausforderungen, auch die psychischen Belastungen bekannt, entsprechend wird eine Therapie nahegelegt. Für manche Patienten sind die realen Schäden in ihrem Mund so erschreckend, dass sie erstmals für psychotherapeutische Intervention bereit sind.

Zunge: Indikator von Erkrankungen

Am bekanntesten ist sicher die „Erdbeerzunge“, mancherorts auch Himbeerzunge genannt: Sie zeigt an, dass der kleine Patient vermutlich Scharlach hat. Diese hoch ansteckende Infektionskrankheit wird durch Streptokokken ausgelöst, kugelförmige Bakterien. Sie belasten auch die Zunge, die sich entzündet und daher rot färbt. Die Zunge kann im Alltag durchaus leicht ihre Farbe verändern, ohne dass die Ursache relevant für die Gesundheit ist, zumal wenn die Farbänderung ein eher rasch vorübergehendes Ereignis ist. Manche Veränderung fällt dem Menschen selbst auch kaum auf, berichtet eine zahnärztliche Zeitung in einem Fachartikel, für zahnmedizinische Experten ist die Zunge aber oft ein Lesebuch. Pelzige helle Auflagerungen sprechen für möglichen Mundsoor, ausgelöst durch Hefepilze – und damit wiederum möglicherweise für eine angeborene Abwehrschwäche des Immunsystems. Gelblich können Verfärbungen aussehen, die bei Leberschäden und Vergiftungen entstehen. Die klassische Grippe (Influenza, also nicht die normale Erkältung) zeigt sich mit einer dicken Belagschicht auf der Zunge, spezielle weiße Verfärbungen können auf ein Problem mit der Bauchspeicheldrüse hinweisen. Hat der Mensch Probleme mit seinem Magen, kann das an einer schwachgrau wirkenden Zunge ablesbar sein. Ernst wird es, so der Fachbeitrag, wenn die Zunge dunkel oder blau wird: Dann sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, da es sich um lebensbedrohliche Entwicklungen handeln könnte.