Ergebnisse einer groß angelegten Studie chinesischer Wissenschaftler deuten darauf hin, dass die ausreichende Versorgung von Schwangeren mit Vitamin D positive Auswirkungen auf die spätere Zahngesundheit ihrer Kinder hat. Rund 4000 Kinder von Geburt bis Vorschulalter wurden mit Blick auf den Vitamin-D-Spiegel im Blut ihrer Mutter in der Schwangerschaftszeit untersucht. Dabei zeigte sich, dass in diesen ersten Lebensjahren die Kinder von Schwangeren mit höherem Vitamin-D-Spiegel deutlich weniger Zahnschäden aufwiesen als die Vergleichsgruppe. Insbesondere der Gehalt an Vitamin-D in der Zeit der Bildung der Zähne im Fötus erwies sich als förderlich für die Zahngesundheit nach der Geburt. Über den Mineralstoffwechsel haben die Föten von der Vitamin-D-Nutzung der werdenden Mutter profitiert. Auch wenn sich die Zusammenhänge als stimmig abzeichnen, weisen die chinesischen Wissenschaftler darauf hin, dass es sich bei der Studie um eine erste Beobachtungsstudie handele – die Ergebnisse geben aber Anlass, die direkten Verbindungen noch genauer zu prüfen.
Immer klarer: Parodontitis und Herzkreislauferkrankungen
Weltweit verdichtet sich das Wissen um die Zusammenhänge von Parodontitis und Herzkreislauferkrankungen. Schon seit vielen Jahren warnt nicht nur die Zahnärzteschaft vor Auswirkungen der entzündlichen Zahnbetterkrankung Parodontitis auf das Herz- und Kreislaufsystem, sondern auch die weltweit führende kardiologische Fachgesellschaft American Heart Association (AHA). Die aktuellste Stellungnahme der AHA aus Wissenschaft und Praxis stammt aus dem Dezember 2025. Studien zu diesem Thema haben auch daher sehr hohe Relevanz, weil Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit die häufigste Todesursache sind – und jede Erkenntnis, ein entsprechendes Risiko zu minimieren oder ganz zu verhindern, Leben retten kann. Es bestätigen sich demnach sowohl die direkten Wege einer Belastung des kardiologischen Systems über Parodontitis-Bakterien im Blut, die die Infektion in das Herz und die Gefäße transportieren, als auch über indirekte Wege: Dazu gehören chronische Entzündungen und die entsprechenden Zytokine (Botenstoffe der immunologischen Infektionsabwehr), die nicht zuletzt Risiken für die Gefäßgesundheit bergen. Es gebe starke Hinweise, so die AHA – und das ist eine für eine wissenschaftliche Fachgesellschaft sehr gewichtige Formulierung –, dass die Behandlung einer Parodontitis die Risiken für Herz und Gefäße erheblich minimieren kann. Nachvollziehbar ist daher, dass die American Heart Association ihre Mitglieder dringend dazu aufruft, ihre entsprechend erkrankten Patienten an eine Zahnarztpraxis zu überweisen. Behandlung und Kontrolle einer Parodontitis könne zur Vorbeugung und Kontrolle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen.
Neues Sonderforschungsprojekt: intelligente Implantate
Mit mehr als zehn Millionen Euro unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft die Fortsetzung und Weiterentwicklung des Sonderforschungsbereiches zu intelligenten medizinischen Implantaten: Das belegt, welch erhebliches Potential diese Forschungs-Förderungs-Institution in der Arbeit des Wissenschaftlerteams seitens der Medizinischen Hochschule Hannover und des Instituts für Werkstoffkunde an der Leibniz-Universität Hannover sieht. Zahnmedizin und Materialkunde arbeiten eng zusammen, um Zahnimplantate so weiterzuentwickeln, dass sie neben ihrer klassischen Aufgabe, dem Abstützen von Zahnersatz, noch weitere Leistungen für die Gesundheit erbringen. Sie sollen aktiv mithelfen, die Sicherheit und Lebensdauer der Implantate zu vergrößern. Dabei geht es darum, dass das verwendete Material erstens von sich aus feststellen kann, ob sich im Umfeld eine Infektion entwickelt. Hat das Implantat eine solche unerwünschte Entwicklung entdeckt, startet es zweitens mit Hilfe von Gewebezellen, physikalischen und chemischen Maßnahmen die Ausheilung des infizierten Bereiches. Vier Themen stehen bei dem Forschungsprojekt im Fokus: die Verhinderung von Implantat-Komplikationen, das Erkennen solcher Komplikationen, das Entgegenwirken bei solchen Entwicklungen und sichere Implantate, die das Vertrauen von Wissenschaft, Praxis und den Patienten in die implantologische Versorgung weiter erhöhen. Die Erkenntnisse dienen beispielsweise auch Hör-Implantaten sowie Produkten für weitere implantologische Einsatzgebiete.
Keramik-Implantate: bald aus Glas?
Wissen und Können schreiten in der Wissenschaft mit schnellen Schritten voran – und machen deutlich, dass auch neue Erkenntnisse und neues Können nicht das Ende der Entwicklung sind. Es ist noch gar nicht so lange her, da hielten Zahnmediziner in Wissenschaft und Praxis Zahnimplantate aus Titan für das Produkt der Wahl und aufkommende Implantat-Entwicklungen aus Keramik für ein Nischenprodukt. Mittlerweile haben sich Keramikimplantate auch in der Praxis neben den Titan-Produkten etabliert und erfüllen ihren eigenen Auftrag in der implantologischen Versorgung. Nun steht auch die Keramik auf dem Prüfstand, ob selbst dieser hochanspruchsvolle Werkstoff nicht auch noch optimierbar ist: durch Glas. In Kiel haben Materialwissenschaftler kürzlich Glas verschmolzen zu einer besonders festen Struktur – mit dem Ziel, diese beispielsweise bei Knochendefekten und Zahn-Implantationen zu nutzen. Schichtweise werden dünne Glaspulverschichten durch Laser so miteinander verbunden, dass man sogar gewünschte Formen „drucken“ kann. Mit diesem neu entwickelten Verfahren kann eine große Bandbreite für unterschiedlichen und individualisierten Implantat-Bedarf bedient werden – auch durch gezielte Steuerung gewünschter Eigenschaften wie Materialdichte, Transparenz, Farbe und Oberflächenbeschaffenheit. Ermöglicht wird dadurch in Zukunft die Herstellung von perfekt passgenauen Implantaten, im Mund, aber auch in anderen Körperregionen.
Gestresste Schwangere: früherer Zahndurchbruch
Das werdende Kind lebt sozusagen das Leben seiner Mutter mit – es bekommt von ihr Nährstoffe, aber auch alle anderen Substanzen, die den Alltag der Schwangeren prägen – auch solche mit negativen Effekten. Bekannt ist beispielsweise das FAS, das „fetale Alkoholexpositionsyndrom“, das zu erheblichen körperlichen, geistigen und verhaltensbezogenen Behinderungen führt. Schon ein Gläschen Alkohol ist, bildlich gesagt, für den sich noch bildenden Stoffwechsel des ungeborenen Kindes eine ganze Kanne voller Gift. Vor wenigen Wochen veröffentlichten US-Wissenschaftler die Ergebnisse einer Studie zu einem anderen Stoff, den Kinder von ihren Müttern erhalten: das Stresshormon Cortisol. Die Forschergruppe aus New York stellte dabei fest, dass Stress Auswirkungen hat auf das Zahnbildungssystem. Die Säuglinge von Müttern, die im zweiten und dritten Trimester besonders unter hoher Stressbelastung litten, hatten im Alter von sechs Monaten durchschnittlich vier Milchzähne mehr als die gleichaltrigen Kinder von ungestressten Müttern. Beeinflusst wurde durch das Cortisol insbesondere der Mineral-Stoffwechsel und die Steuerung des Kalzium- und Vitamin-D-Spiegels – beides Kernfaktoren für die gesunde Entwicklung von Zähnen und Knochen. Insgesamt hielten die Wissenschaftler fest, dass offensichtlich vorgeburtlicher Stress „die biologische Alterung der Säuglinge“ beschleunigt. Viele weitere Faktoren und Fragestellungen machen, so das Forscher-Team, weiterführende und weiter differenzierende Studien notwendig.
Mundhygiene: schon in der Steinzeit
Wenn man sich die meterlangen Regale in Apotheken und Drogeriemärkten mit Mundhygiene-Produkten bis hin zu Ultraschall-Zahnbürsten anschaut, könnte man auf den Gedanken kommen, Zahnpflege sei etwas ziemlich Modernes. Genaugenommen sind wir aber nicht sehr viel weiter als unsere Vorfahren in der Steinzeit: Wie ein Artikel in einer renommierten Fachzeitschrift zeigt, nutzten die Neandertaler vermutlich Koniferen-Zweige, um die groben Essensreste von den Zähnen zu reiben, zudem bietet diese Pflanze antibakterielle Eigenschaften. Die besondere Form von Rillen auf den Zähnen lässt vermuten, dass sie zudem Holzstöckchen zum Säubern nutzten. Und ja, sie setzten diese auch in den Zahnzwischenräumen ein. Auch „im alten Ägypten“ spielte Mundpflege eine große Rolle, eigentlich war sie sogar fast schon Kult: Rund 5000 Jahre vor Christus gab es ein vergleichsweise breites Angebot an Pülverchen, die je nach Zusammensetzung nicht nur reinigten, sondern die Zähne auch verschönerten. Die weißere Wirkung ergab sich durch ein „Peeling“ der nahrungsbedingten Pigment-Auflagerungen – dafür spricht die Zusammensetzung eines solchen Zahnpulvers, das neben Asche aus Eierschalen und Ochsenhufen auch Bimsstein enthielt. Sogar Kräuter-Zahn“pasten“ gab es bereits bei den Ägyptern – sie bestanden beispielsweise aus Salz, Pfeffer, Irisblüten und Blättern der Minze.
Eines hat sich aber nicht verändert: Mundhygienehilfsmittel helfen nur, wenn man sie auch benutzt – egal ob Ochsenhufenasche oder Ultraschallbürsten.
Erektile Dysfunktion: Parodontitis beteiligt?
Ein großes Thema im Feld der Männergesundheit ist die Erektile Dysfunktion: Das bedeutet, der Betroffene kann keine für den Geschlechtsverkehr notwendige Erektion bekommen oder diese nicht aufrechterhalten. Wie Prof. Dr. James Deschner, Vorsitzender der European Federation of Periodontology kürzlich berichtete, bergen die bekannten belastenden Einflüsse einer Parodontitis auch im Bereich der Männergesundheit Risiken. Hier steht zuvorderst die Erektile Dysfunktion im Blick, aber auch das Prostata-Karzinom scheint eine Verbindung zur Parodontitis zu haben. Aktuelle Studien zeigten, dass das Risiko für Männer, eine Erektionsstörung zu bekommen, zwei- bis dreimal höher ist bei denjenigen mit bakterieller Zahnbettinfektion als bei der gesunden Vergleichsgruppe. Genaugenommen könne man aber nicht von einem singulären Ursache-Folge-Prozess sprechen – vielmehr bestätige sich, dass Mundraum und Allgemeingesundheit in einem Gesamtzusammenhang stehen. Viele Gesundheitsstörungen oder Erkrankungen, die bisher schon bekannt sind als Risikofaktoren für eine erektile Dysfunktion wie Bluthochdruck, schlecht eingestellter Diabetes, Herz-Kreislauf-Störungen beispielsweise, haben ihrerseits eine Verbindung zu Parodontitis. Professor Deschner appellierte an die Männer, ein besseres Gesundheitsbewusstsein zu entwickeln und auf tägliche sorgfältige Mundhygiene zu achten. Das könne dazu beitragen, einer erektilen Dysfunktion vorzubeugen.
Zahnzwischenraumpflege: Hauptsache „Machen“
In fast schon regelmäßigen Abständen kommen Testergebnisse rund um die Zahnzwischenraumpflege in die Medien. Meist gibt es einen „Gewinner“: ein Produkt schneidet als „besser“ ab im Vergleich zu den anderen. Zahnseide, Interdentalraumbürstchen, Zahnzwischenraumspülungen, Mundduschen – egal was: Darauf kommt es letztlich aber nicht wirklich an, macht ein Beitrag in einem renommierten internationalen wissenschaftlichen Implantologie-Journal deutlich. Wichtig ist, dass diese Hilfsmittel regelmäßig zusätzlich zur Zahnbürste genutzt werden. Denn alle Produkte in diesem Segment dienen der „mechanischen Biofilmkontrolle“, kurzgesagt: Mit einem zuhause nutzbaren Hilfsmittel kann man selbst die Zahnbeläge zwischen den Zähnen entfernen. Eine grundsätzliche Überlegenheit eines Systems gegenüber einem anderen sei nicht feststellbar, so die Wissenschaftler. Viel wichtiger sei, beispielsweise um die Hygiene rund um ein Zahnimplantat zu sichern, dass die Patienten ein Produkt finden, mit dem sie erfolgreich den bakteriell belasteten Zahnbelag entfernen. Während jemand mit steif gewordenen Händen vielleicht eher mit einer speziellen Munddusche zurechtkommt, können andere Zahnseide um die Finger wickeln oder mit unterschiedlich großen Bürstchen unterschiedlich breite Zahnzwischenräume gründlich reinigen. Nur eines sei wirklich relevant für die Erhaltung der Mundgesundheit: dass der Zahnzwischenraum ebenso geputzt wird wie die Zähne und die Zahnfleischränder. Was am besten zu den eigenen Fertigkeiten passt, kann man in seiner Zahnarztpraxis mit den Experten für Prophylaxe besprechen, ausprobieren und trainieren.
Zahnverlust: Auswirkungen auf den Körper
Immer mehr Studien belegen inzwischen, dass verloren gegangene Zähne nicht nur die Mundgesundheit in vielerlei Weise beeinträchtigen, sondern auch die Allgemeingesundheit. Für die Mundregion bedeutet Zahnverlust eine Beeinträchtigung des harmonischen Gesichtsprofils und einer stabilen Kieferstruktur. Insbesondere wenn mehrere Zähne verloren gehen, verändert sich das Zusammenspiel von Kieferknochen, Gesichtsmuskulatur und auch der Haut. Kopfschmerzen können die Folge sein, auch Kiefergelenkschmerzen mit Auswirkungen auch auf den Nacken- und Schulterbereich. Die Lippen werden oft schmaler und lassen die Mundregion alt wirken. Die Folgen von Zahnverlust zeigen sich aber auch auf ganz anderen Ebenen: Wissenschaftler haben rund 23.000 Probanden-Daten der US-amerikanischen Gesundheitsstudie ausgewertet mit dem Blick auf einen Zusammenhang von Zahnverlust und Schlaganfall. Das Ergebnis: Bei Menschen mit Schlaganfall-Risiko steigt dieses Risiko mit jedem verlorenen Zahn an. Probanden der Studie, die bereits einen Schlaganfall erlitten hatten, hatten deutlich mehr Zähne verloren als die Vergleichsgruppe ohne Schlaganfall-Geschichte. Wer keinen einzigen eigenen Zahn mehr hat, hat laut der Auswertung der Wissenschaftler ein mehr als doppelt so hohes Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen als Vergleichs-Personen mit vollständigen Zahnreihen. So eindeutig das wirkt: Noch seien das nur Datenbilder, es müsse noch geforscht werden, was genau zu solchen Ergebnissen führt und warum. Weitere Studien sind daher in Vorbereitung.
Parodontitis: Helfen Antidepressiva?
Wenn es um die Vermeidung oder Behandlung einer Parodontitis geht, denkt man üblicherweise an sehr sorgfältige Mundhygiene, professionelle Zahnreinigung, notfalls chirurgische Eingriffe und Antiinfektions-Medikamente. Dass man auch hinter dem Tellerrand der Erfahrungen noch wirksame Möglichkeiten findet, bewies jetzt ein Team von US-Wissenschaftlern: Sie entdeckten den schützen Aspekte von Antidepressiva. Man hätte vermuten wollen, dass jemand, der unter behandlungsbedürftiger Depression leidet, eher mit mehr Mundgesundheitsschäden zu kämpfen hat – zumal Antidepressiva bekannt dafür sind, dass sie zu Mundtrockenheit führen, die wiederum ein hohes Kariesrisiko darstellt. Nun aber muss man die Arzneigruppe offenbar neu betrachten: Fast 10.000 erwachsene Teilnehmer an einer Studie, die von einem renommierten Fachjournal angenommen wurde, sind schon ein starkes Gewicht für die Relevanz der Ergebnisse der Forschungsarbeit. Die Wissenschaftler stellten fest, dass Patienten, die Antidepressiva nehmen, ein geringeres Risiko haben, eine Zahnbettentzündung zu bekommen, und wenn, dann eine leichtere Form. In schweren Depressions-Fällen zeigte sich sogar ein sehr deutlicher Schutz vor Parodontitis-Entstehung. Dass Zahnfleischerkrankungen und Depressionen in Wechselwirkung zueinander stehen, war schon länger bekannt, welche Rolle dabei Antidepressiva spielen, sei nun genauer in den Blick genommen worden. Spannend wird die weitere Suche nach den Gründen, um vielleicht eine vergleichbare Wirkung zu erzielen, ohne dabei auf antidepressiv wirkende Medikamente zurückgreifen zu müssen.










