Schlaf-Apnoe: Knochendichte- und Zahnverlust

Mittlerweile ist vielen Menschen bekannt, dass Schlafapnoe (nächtliche Atem-Aussetzer) zu einer Vielzahl ungesunder Belastungen des Körpers führen kann, beispielsweise Bluthochdruck mit den Folge-Risiken Herzinfarkt und Schlaganfall. Erhöht sind zudem das Entzündungsrisiko sowie die Unfallgefahren im Straßenverkehr durch erhebliche Tagesmüdigkeit. Nun bringt man nach einer Studie von Wissenschaftlern der Universität von Buffalo die Atem-Belastung auch in Zusammenhang mit Knochenmineraldichte-Verlust: Das würde bedeuten, dass das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt. Hinsichtlich der Mundgesundheit wären aufgrund verminderter Kieferknochenqualität Zähne und Zahn-Implantate gefährdet, ihren Halt im Kiefer zu verlieren. Die Wissenschaftler weisen zwar darauf hin, dass die ursächlichen Zusammenhänge von Schlafapnoe und Knochendichteverlust noch nicht klar nachgewiesen sind, die Daten sensibilisieren aber nicht zuletzt Kieferorthopäden, bei Therapieplanung und Behandlung einen potentiellen Risikofaktor wie Schlafapnoe nicht aus dem Blick zu verlieren.

Spinat & Co: gut für die Mundgesundheit?

Fans der Comic-Figur Popeye wissen das: Spinat macht stark. Wenn man mal von der Geschichte mit dem Messfehler beim Eisen-Gehalt im 19. Jahrhundert absieht, bleibt Spinat ein „Muskelaufbauprodukt“ – wegen des Hormongehaltes an Ecdysteron. Aber: Dafür müsste man rund 6 Kilo Spinat täglich zu sich nehmen, was Popeye offenbar keine Probleme macht, dem normalen Menschen aber sicher schon. Interessant sind allerdings noch weitere Inhaltsstoffe, in diesem Fall: das Nitrat. Nitrate sind Salze der Salpetersäure und den meisten Menschen eher als Dünger in der Landwirtschaft bekannt. In der Küche findet sich Nitrat beispielsweise im Spinat, in Rüben und in Grünkohl. Während des Kauvorgangs kann Nitrat von entsprechend aktiven Bakterien zu Stickstoffmonoxid umgebaut werden, was wiederum den Säuren im Mund entgegenwirkt und zudem die Zunahme an krank machenden Bakterien hemmt. Damit werden, zeigen aktuelle Studien, Spinat und seine Nitrat-haltigen Gemüse-Geschwister zu guten alternativen Hilfsmitteln zur Reduzierung von pathogenen Bakterien und infektiösen Entzündungen im Mundgewebe – und es schützt zudem den Zahnschmelz vor Säureangriffen. Der Einsatz von Nitrat könnte außerdem helfen, Antibiotika-Resistenzen zu vermindern. Für den Alltagsnutzen müssten aber noch anwendungsfreundliche Produkte entwickelt werden: Täglich 6 Kilo Spinat sind sicher keine überzeugende Empfehlung…

Zahnunfall: gut jeder Vierte betroffen

Eine aktualisierte Leitlinie der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) zum Thema Behandlung von Zahnunfallschäden bei bleibenden Zähnen macht deutlich, dass rund jeder Vierte in Deutschland (Altersgruppen-übergreifend) im Laufe seines Lebens ein Zahn-Trauma erleidet, also einen Zahnschaden aufgrund eines Unfalls, Sturzes oder einer vergleichbaren Verletzung. Die Zahlen weisen eine steigende Tendenz auf. Im Rahmen einer Pressekonferenz wiesen die Forscher kürzlich darauf hin, dass bei richtigem Vorgehen die natürlichen Zähne meist gerettet werden könnten. Auch ausgeschlagene Zähne könnten bei passenden Voraussetzungen wieder implantiert und an ihren natürlichen Platz zurück gesetzt werden. Eine sehr wichtige Rolle komme den Zahnrettungsboxen zu, so die Wissenschaftler. Bedauerlich sei allerdings, dass rund zwei Drittel der Bevölkerung noch nie etwas von Zahnrettungsboxen gehört hat, wie eine Umfrage im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Endodentologie und Traumatologie ergeben habe. Nur in zwei Prozent der Haushalte ist den Angaben zufolge eine Zahnrettungsbox vorhanden. Ein weiterer Kritikpunkt: Nach wie vor seien nicht alle Rettungswagen mit Zahnrettungsboxen ausgestattet, und auch in der Ersthelfer-Ausbildung käme dieses Thema bisher noch deutlich zu kurz.

Kieferknochen: Signal für Größenverlust

Man wird im Laufe seines Lebens kleiner, heißt es oft – und sicher ist das auch zutreffend, wenn auch unterschiedlich stark. Meist verliert der Körper etwas an Gesamtflüssigkeit, wodurch die Bandscheiben etwas eintrocknen können und an Volumen verlieren. Auch die Knochendichte lässt oft nach und die Muskulatur erschlafft etwas. Was Größenverlust (in diesem Falle für Frauen) bedeutet und ob es Wege gibt, ihn zu vermeiden oder aufzuhalten, erkundete jetzt eine Gruppe britischer Wissenschaftler – und verwies dabei auch auf die Rolle der Zahnärzte. Ab dem 75. Lebensjahr und dem stärker werdenden Größenverlust kann es demnach bei Frauen zu Risiken wie verformtem Skelett oder auch Osteoporose kommen. Wie wäre es, fragten sich die Forscher, wenn man an der Entwicklung des Kieferknochens ablesen könnte, ob der untersuchten Frau ein Größenverlust bevorsteht und man ungünstige Auswirkungen verhindern könnte? Die Langzeitstudie zeigte, dass die Erwartung zutrifft: Frauen, die eine deutliche Entwicklung zu Kieferknochen-Rückbildungen und einer nachlassenden Knochendichte aufwiesen, hatten in fortschreitendem Alter auch den größten Verlust an Körperlänge. Zahnärzte und Ärzte könnten die betroffenen Frauen mit Risikovorhersagen dabei unterstützen, mit entsprechenden Maßnahmen die Entwicklung zu bremsen und erwartbaren negativen Folgen entgegenzuarbeiten.

Chlorhexidin: Ursachen von Zahnverfärbung

In der Zahnmedizin spielt der Wirkstoff Chlorhexidin eine fest etablierte Rolle: Er kann wirkungsvoll Mundinfektionen bekämpfen. Viele Patienten empfinden es allerdings als nachteilig, dass sich in der Anwendungszeit ihre Zähne mehr oder weniger leicht verfärben. Warum das so ist – und was man entsprechend dagegen tun kann – hat nun eine Forschergruppe aufgeklärt. Demnach ist es nicht das Produkt selbst, das die Zähne verfärbt, sondern der Umstand, dass Farbpigmente aus Ernährung und Getränken am Chlorhexidin leichter „kleben“ bleiben. Je stärker die Einwirkung ist und je länger die Farbpigmente am Wirkstoff festbinden, desto intensiver verfärbt wirkt der Zahn. Wie stark Farbpigmente beispielsweise aus Getränken am Chlorhexidin haften, hänge – so die Studie – vor allem mit dem pH-Wert, dem Säuregehalt des Getränkes bzw. seiner Farbpigmente zusammen. Getestet wurden insofern elf Getränke, Ergebnis: Schwarzer Tee und Rotwein führten die Farbintensitäts-Liste an, Kaffee und Bier hatten ihren Platz im Mittelfeld. Interessant war, dass Milch im Getränk die Verfärbungen weniger nachhaltig machte. Während einer Chlorhexidin-Behandlung sei es daher ratsam, Kaffee und Tee nur mit Milch zu trinken. Beim Zähneputzen habe sich gezeigt, dass Zahnpasta mehr bewirkt als wenn nur mit Wasser geputzt wird. Hilfreich sei es auch, einen möglichst großen Abstand zwischen Essen und Trinken und der Nutzung der Mundspüllösung einzuhalten.

Rauchen: Implantat-Verlust droht

Wer nicht riskieren will, sein frisch gesetztes Zahn-Implantat schon bald wieder zu verlieren, sollte bereits einige Zeit vor dem Implantations-Termin mit dem Rauchen aufgehört haben: Das ist die klare Empfehlung von Dr. Romy Ermler, Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer und Vorstandsvorsitzende des Mundgesundheits-Informationsdienstes proDente. Das beim Rauchen freigesetzte Nikotin, ein Nervengift, verenge die feinen Blutgefäße, was zu einer Minder-Durchblutung im Kiefergewebe führe und den gesunden Einheilprozeß rund um das eingesetzte Zahn-Implantat erschwere. Die reduzierte Durchblutung führe zu einer Unterversorgung des Operationsgebietes mit Abwehr-Zellen, so dass sich krankmachende Bakterien ungestörter ansiedeln und vermehren könnten. Dadurch steigt das Infektionsrisiko rund um das Implantat – und das Risiko, dass es nicht einheilt, sondern wieder herausfällt. Die natürliche Wundheilung ist gestört. Nicht zuletzt sorgen die beim Rauchen aufgenommenen Stoffe dafür, dass Kieferknochen und Kiefergewebe leichter zu Entzündungen und Substanz-Zerstörung neigen – auch dies erschwert ein gesundes Einwachsen der künstlichen Zahnwurzel in den Kiefer. Laut proDente haben Menschen, die rauchen, ein doppelt so hohes Risiko, ein Zahnimplantat wieder zu verlieren wie Nichtraucher.

Zahnunfälle: Nachmittags hohes Risiko

Wissenschaftler am Regensburger Zentrum für Zahn-Traumata (Zahn-Verletzungen) haben kürzlich über 2000 Daten ihrer Patienten ausgewertet auch hinsichtlich des Zeitpunktes im Tagesverlauf, an dem die Zahnunfälle entstanden. Dabei zeigte sich: Am späten Nachmittag und am frühen Abend war das Risiko, eine unfallbedingte Zahnverletzung zu erleiden, am höchsten. Zudem gab es weitere Auffälligkeiten über den Zeitpunkt des Unfallgeschehens hinaus: Demnach gehören Spiele und Radfahren, zuhause und in der Freizeit, zu den häufigsten Unfall-Ursachen – und entsprechend die Altersgruppe der Zwei- bis Vierjährigen, der Kinder im Alter zwischen acht und zehn Jahren und in der Altersgruppe 20 bis 22 Jahre. Die Forschergruppe der Regensburger Universitätsklinik betonte erneut die Wichtigkeit der raschen Verfügbarkeit von Zahnrettungsboxen. Nicht zuletzt Eltern, aber auch Jugendliche und junge Erwachsene sollten sich mit der Website „Rette-Deinen-Zahn.de“ befassen und die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen kennenlernen. In nicht wenigen Fällen kann der verletzte Zahn repariert oder – bei richtiger Lagerung – wieder implantiert werden, sodass keine Zahnersatzversorgung notwendig wird.

Parodontitis in jüngeren Jahren: Schlaganfallrisiko

Schlaganfall gilt unter Laien als ein vor allem Ältere treffendes Ereignis. Das trifft allerdings nicht die Realität, stellte eine finnische Wissenschaftlergruppe fest: In der Universitätsklinik in Helsinki nahm die Anzahl vergleichsweise junger Schlaganfallpatienten im Alter zwischen 18 und 49 Jahren sogar deutlich zu. Was ihnen im Vergleich zu älteren Schlaganfall-Patienten in der Regel aber fehlte: das Vorliegen der klassischen bekannten Risiken wie erhöhte Blutfettwerte, Diabetes oder Bluthochdruck. Daher hat sich die finnische Wissenschaftlergruppe aus dem Bereich Mund-, Kiefer- und Gesichtserkrankungen die Frage gestellt, ob es möglicherweise andere gemeinsame Ursachen für diese Schlaganfälle im jüngeren Lebensalter geben könnte. In der Tat wird schon länger in der Wissenschaft diskutiert, dass Parodontitis, die entzündliche Zahnbettinfektion, mit Schlaganfällen in Verbindung steht. Das bestätigten die aktuellen Studien der finnischen Forschergruppe zur jungen Probandengruppe, es gab sogar einen Zusammenhang zwischen der Intensität der Parodontitis und derjenigen des erlittenen Schlaganfalls. Grund für die Verbindung könnte eine Arterienverengung sein, die durch Blutgerinnsel hervorgerufen wird, die wiederum aufgrund der Belastung insbesondere durch den Stoffwechsel der Mund-Bakterien entstehen könnten. Daraus ergibt sich eine klare Schlussfolgerung für Zahnarztpraxen und Patienten: Einerseits muss der Vorbeugung und der Behandlung von Parodontitis auch schon in jungen Jahren noch mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht werden – und zum anderen gilt erhöhte Vorsicht bei invasiven Mundbehandlungen, um durch die entstehenden Wunden das Risiko der Verbreitung der Parodontitis-Keime in die Blutbahn zu verhindern oder zu minimieren.

Fußballspieler: Mundgesundheitscheck verordnet

Für einige Überraschung sorgte kürzlich der neue Trainer des Fußballteams des FC Barcelona beim Start seiner Tätigkeit als Mannschafts-Coach: Hansi Flick verordnete dem gesamten Team einen Mundgesundheitscheck. Was hierzulande niemanden irritieren würde, führte bei der spanischen Sportpresse zu gewisser Aufregung: Das habe es ja noch nie gegeben! Nicht nur deutsche Zahnärzte können sich über diese Irritation nur wundern: Mit der wachsenden Verbreitung der Erkenntnisse rund um Sport und Mundgesundheit, nicht zuletzt durch das Gebiet der Sport-Zahnmedizin, ist längt deutlich belegt, dass eine gestörte Mundgesundheit zu einer reduzierten Leistungsfähigkeit des Sportlers führt. Beispielsweise kann eine Fehlstellung der Kiefer die Körper-Statik beeinflussen und muskuläre Verspannungen nach sich ziehen. Eine Entzündung des Zahnbettes (Parodontitis) führt zu einer deutlichen Erhöhung von Entzündungszellen (regulatorische T-Zellen) im Blut und schwächt die Fähigkeit des Körpers zur Leistungssteigerung. Gesunde oder kranke Zähne wiederum, darauf verweist unter anderem der Zahnmediziner Prof. Dr. Stefan Fickl, können letztlich sogar über Sieg oder Niederlage einer Mannschaft entscheiden: Wird die Situation im Mund akut, weil sie nicht rechtzeitig behandelt wurde, kann dies zu einem Spieler-Komplettausfall führen, da mit einer offenen Karies oder einer Wurzelentzündung an Sport nicht mehr zu denken ist. Ein gesunder Mund und regelmäßige sorgfältige Mundhygiene sind also „Mitspieler“, wenn es um Sport und Leistung geht.

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Parodontitis: Matcha im Test

Bei der Behandlung einer Parodontitis, einer entzündlichen Zahnbetterkrankungen mit erheblichen Risiken nicht nur für Zahnverlust, sondern auch schwerwiegende Allgemeinerkrankungen, steht die Beseitigung oder zumindest erhebliche Reduzierung krankmachender Keime im Vordergrund. Dabei wird die bakterielle Belastung auf verschiedene Art bekämpft, beispielsweise mit Entfernung von Plaque durch lokale Beseitigung, durch antibakterielle Bestrahlung, entsprechende Medikamente und sehr engmaschige Betreuung. Immer wieder kommen auch Naturheilmittel in den Fokus der Wissenschaft, die bei Pflanzen insbesondere nach antibakterieller Wirkung sucht, da nicht wenige Menschen auf die klassischen Antibiotika nicht mehr ausreichend ansprechen. Aktuell hat sich eine Forschergruppe mit den Chancen von Matcha befasst, ein Grünteepulver, das in der Tat seine antimikrobiellen Fähigkeiten beweisen konnte. Im Labortest konnte Matcha das Wachstum des riskanten Bakteriums Porphyromonas gingivalis hemmen und die Bakterienkultur vernichten: Dieser Keim ist für besonders schwere Parodontitis-Verläufe verantwortlich. Die Studienergebnisse an über 40 Probanden seien motivierend für weitere Forschung, sagten die Wissenschaftler, nach erfolgreicher Weiterentwicklung könne es möglicherweise eine Matcha-Mundspülung geben, die bei der Parodontitis-Behandlung unterstützend helfen kann.