Häusliche Gewalt: Manchmal auch der Mund betroffen

Häusliche Gewalt kann „in den besten Familien“ auftreten, in besser gestellten Kreisen ebenso wie in armen Gruppen, sie ist unabhängig von Herkunft und auch von Beruf der Beteiligten und auch von Alter und Geschlecht. Auch Vernachlässigung gehört zu ihren Facetten. Besonders von häuslicher Gewalt betroffen sind Frauen, ihr Anteil beträgt laut WHO-Daten rund 70 %. Für die Zahnarztpraxen bedeuten die hohen Fallzahlen, dass sie vermutlich auch in ihrer Patientengruppe Menschen mit Gewalterfahrung (körperlich, seelisch, sexuell etc.) sehen werden, wenn sie darauf achten. Während die Zähne selbst eher seltener Schäden aufweisen, ist insbesondere das Mittelgesicht ein Signalgeber. Knochenbrüche oder Gewebeschäden könnten nicht nur ein Anlass sein, die betreffenden Patienten anzusprechen – Studien zufolge würden es diese Patienten sogar begrüßen, dass sie einen Anlass geboten bekommen, darüber zu sprechen, wenn die Täter-Person nicht dabei ist. Es kann wichtig sein, den Befund zu dokumentieren, wofür es spezifische Erfassungsbögen gibt. Wie ein zahnärztliches Journal berichtet, wird den Praxisteams entsprechende Fortbildung empfohlen, um einerseits den richtigen Umgang mit den Gewalt-Opfern zu lernen und andererseits auch den Umgang mit möglicherweise begleitenden Tätern, zudem sollten die Praxen über rechtliche Chancen und Risiken informiert sein. Wichtig ist die Erfassung der Gewaltsignale auch hinsichtlich der sich zeigenden erwartbaren weiteren Entwicklung, beispielsweise, wenn Gefahr für Leib und Leben droht.

Dentosophie: Blick auf den ganzen Körper

In vielerlei Hinsicht werden in den letzten Jahren Zusammenhänge von Mundgesundheit und Allgemeingesundheit diskutiert und durch zahlreiche Studien belegt – darunter die sich gegenseitig negativ beeinflussende Verbindung von Parodontitis und Diabetes. Auch Mundinfektionen und bestimmte Herzerkrankungen, zumal in den äußeren Herzgefäßen, haben offensichtlich gemeinsame Ursachen. Eine andere Form von Zusammenhängen nimmt auch in der Wissenschaft eine wachsende Rolle ein: die Betrachtung der Gesundheit des ganzen Körpers auch aus zahnheilkundlicher Sicht, beispielsweise auf die funktionale Verbindung von Störungen im Bereich von Skelett und Mundmuskulatur. Manche Zahnärzte sprechen von „Dentosophie“, wie ein zahnärztliches Fachjournal kürzlich berichtete, und meinen damit die Erhaltung oder Wiederherstellung der Balance aus Geist, Seele und Körper. Beispiel: Dass Seele, besser gesagt: stressende Belastungen zu Mundtrockenheit führen können, gehört zu den auch den Laien bekannteren Zusammenhängen. Körperliche Fehlfunktionen im Mund können sich schlafstörend auswirken. Besonders wenn dies Kleinkinder betrifft, ist Untersuchung und Behandlungsbedarf gegeben: Sich verfestigende Entwicklungsstörungen können sowohl für den Körper als auch die Seele belastend bis gesundheitsgefährdend werden. Ein anderes Beispiel: Gestörte oder unnatürliche Zungenbewegungen haben steuernden Einfluss mindestens auf die Formung von Mund, Gesicht und Ausdruck. Auch bei Reflux, besonders aber bei Schnarchen und Schlaf-Atem-Störungen spielt die Zunge eine erhebliche Rolle. Patienten wird empfohlen, selbst auf solche möglichen Zusammenhänge zu achten und ihre Beobachtungen auch beim Zahnarzttermin anzusprechen.

Krebskranke: Tipps für Mundgesundheit

Im Vorfeld des diesjährigen Tages der Zahngesundheit hat die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung zusammen mit dem Krebsinformationsdienst einen Ratgeber-Flyer für an Krebs erkrankte Patienten herausgeben – mit Informationen und Empfehlungen rund um die Mundgesundheit und Besuche in der Zahnarztpraxis. Die Autoren machen dabei deutlich, dass es je nach Art und Fortschritt der Krebserkrankungen unterschiedliche Dinge zu beachten gibt. Während manche Patienten ihre Mundgesundheitspflege „wie immer“ weiterführen können, müssen andere, zumal bei intensiver medikamentöser und diagnostischer Behandlung, Besonderheiten beachten. Um das patientennah zu gestalten, zeigt der Flyer anhand dreier unterschiedlicher Fälle. So wird für Chemotherapie-Patienten neben anderen Hinweisen beispielsweise empfohlen, auf saure, scharfe oder grobkörnige Speisen zu verzichten, da die Mundschleimhaut durch die Behandlung sehr sensibel bis wund werden kann und kleine Verletzungen schlechter ausheilen. Auch bei Bestrahlungs-Patienten kann die Mundschleimhaut deutlich belastet werden, ein dauerhaft trockener Mund ist nicht selten und für viele Patienten recht unangenehm. Die Tipps reichen von „vor der Strahlentherapie den Mundgesundheitszustand optimieren lassen“, weil das spätere Belastungen reduzieren kann, bis zum Einsatz von Fluorid-Gelen zum Schutz der Zähne. Ein großes Thema, weil es auch die Kieferknochen in Mitleidenschaft ziehen kann, ist der dritte Beispielfall, eine Behandlung mit sogenannten Bisphosphonaten. Diese Medikamente greifen in den Knochenstoffwechsel ein und führen in der Kieferregion nicht selten zu porös werdender Struktur, die Zahnverlust nach sich ziehen kann. Auch hier gilt: Am besten vor der Therapie für Mundgesundheit sorgen und bei anstehenden Zahnbehandlungen das Vorgehen mit der Praxis besprechen. Den Flyer gibt es kostenfrei unter www.kzbv.de/patienten.

Baufehler der Natur: „Gemination“

Es gibt vergleichsweise häufige Baufehler der Natur beim Entwickeln eines Gebisses wie beispielsweise Nicht-Anlagen von Zähnen. Und es gibt seltene Baufehler, die dafür aber besonders herausfordernd sein können. Zu diesen zählt die „Gemination“. In einem solchen Fall hat sich der Zahnkeim nicht regelgerecht weiterentwickelt, er hat sich beispielsweise aufgespalten und zwei Zähne entwickelt statt einem. Oder seine Größe unterscheidet sich von den anderen Zähnen, seine Form und nicht zuletzt seine Oberfläche weichen von der Regel ab. Eine solche Entwicklungsstörung kann – je nach Art und Ausmaß – die gesunde Mundfunktion beeinträchtigen, die Entwicklung von Karies und Parodontitis fördern und das Selbstbewusstsein der betroffenen Patienten schwächen. Sie sollte daher in der Regel behandelt werden. Zu den üblichen Behandlungsverfahren gehört eine verstärkte zahnärztliche Kontrolle, um sich entwickelnde Belastungen frühzeitig erkennen und beheben zu können, manchmal minimiert auch Teil-Zahnersatz die Schäden in Funktion und Ästhetik. Hat die Spaltung zu einem „Doppelzahn“ geführt, ist das, wie ein Beitrag einer Zahnarztpraxis in einem Fachforum zeigt, nicht selten eine Herausforderung, die beiden Zahn-Geschwister zu trennen. Insbesondere im Milchgebiss muss für eine naturgemäße Zahnstellung gesorgt werden, damit die nachfolgenden bleibenden Zähne ihren „Platz fürs Leben“ finden. Nach Extraktion einer Hälfe des Doppelzahnes ist mit einer kieferorthopädischen Behandlung zu rechnen, die den verbliebenen Zahn wieder in die natürliche Zahnreihe eingliedert.

Mehr Gesundheit: mehr Kooperation

Auch auf der europäischen Ebene führt die Vielzahl an bekannten engen Verbindungen zwischen Allgemeingesundheit und Zahnbetterkrankungen (Parodontitis) zu mehr Zusammenarbeit der entsprechen Arztgruppen: Der europäische Verband der Hausärzte und derjenige der Parodontologen haben kürzlich die Notwendigkeit der intensiveren Zusammenarbeit in einem Arbeitspapier festgehalten. Ziel ist eine bessere Früherkennung mit verbesserten Chancen für Vorbeugung und Heilung. Insbesondere Patienten mit Risiken für Infektionen der Herzkranzgefäße (koronare Herzerkrankungen), Entzündungen der Blutgefäße und mit Risiken für Schlaganfälle und Durchblutungsstörungen im Gehirn sollen seitens ihres Arztes eine Empfehlung für eine Parodontalbehandlung erhalten – auch dann, wenn bisher keine Blutungen erkennbar und keine Zähne gelockert sind. Auch Patienten mit Diabetes sollten besser über Zusammenhänge mit zahnmedizinischen Erkrankungen aufgeklärt und zu regelmäßiger Mundgesundheitskontrolle motiviert werden. Zwar sei die Studienlage zu kausalen Zusammenhängen von Parodontalkeimen und allgemeingesundheitlichen Entzündungen gut und überzeugend, es fehlten dennoch weitere klare Daten. Dennoch sei das bisher vorhandene Wissen Anlass genug, mehr und intensiver zusammenzuarbeiten, so die beteiligten europäischen zahn/medizinischen Fachgesellschaften.

Kieferchirurgen waren: E-Scooter-Unfälle deutlich gestiegen

Wer mit dem E-Scooter stürzt, hat sehr oft Verletzungen im Gesicht und am Kopf – und Behandlungsbedarf beispielsweise durch Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen (MKG). Deren wissenschaftliche Fachgesellschaft hat kürzlich darauf hingewiesen, dass sich die Anzahl der Unfälle bei E-Scooter-Nutzern mit körperlichen Schäden – laut Statistischem Bundesamt – allein in der Zeit von 2021 bis 2022 verdoppelt hat auf fast 8300 Fälle. Unter diesen wurden rund 1250 schwere Verletzungen festgestellt, häufig auch im Kopf- und Gesichtsbereich. An Universitätsklinken arbeiten die MKG-Chirurgen im Bedarfsfall auch mit 3-D-Druckern zur Wiederherstellung zertrümmerter Knochenbereiche. Wie Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden von der MKG-Fachgesellschaft berichtete, legen die chirurgisch tätigen Kolleginnen und Kollegen heute nicht nur Wert auf die Wiederherstellung der Funktion, sondern auch auf die optische Wirkung des behandelten Bereiches. Klare Empfehlung der Kieferchirurgen: Unbedingt einen Helm tragen – wenn man nicht ganz auf die Nutzung der E-Scooter verzichten will.

E-Zigaretten: Schwermetall-Risiken

Gibt es Risiken durch Schwermetallbelastungen bei Jugendlichen im Wachstumsalter, wenn sie E-Zigaretten nutzen (Vaping)? Das wollte eine Gruppe von Wissenschaftlern einer US-amerikanischen Universität wissen und untersuchte rund 200 Rauchende im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. Getestet wurde, ob sich im Urin der Probanden Schwermetalle wie Blei, Uran und Cadmium finden – und falls ja, ob sich beim Vaping diese Schadstoffe erhöhen. Diese Stoffe gelten als besonders riskant beispielsweise für Entwicklungsstörungen im Gehirn der jungen Menschen (kognitive Beeinträchtigungen), für Komplikationen in den Atemwegen und im Herz-Kreislaufsystem. Im Ergebnis zeigte die Studie, dass intensives Dampfen zu deutlich mehr Schwermetall-Belastungen führt als eher seltene Nutzung: Der Uran-Gehalt erwies sich bei den Vielnutzern als doppelt so hoch wie bei der Vergleichsgruppe. Interessant war zudem, dass auch die Auswahl der Vaping-Aromen offenbar eine große Rolle spielt: Wer sich für süße Aromen entschieden hatte, wies eine um 90 % erhöhte Uran-Belastung auf gegenüber denjenigen, die Kräuter wie Minze bevorzugten. Die Studie dient nun als Grundlage für weitere und differenzierende Untersuchungen, um die ersten Entdeckungen zu bestätigen oder zu verwerfen – was aber als Erkenntnis gesichert ist, ist die erhöhte Schwermetallbelastungen der jugendlichen E-Zigaretten-Nutzer bei bekanntem Risiko von Entwicklungsstörungen im Bereich der Organe und des Gehirns.

Mundspülung: deutliches Diagnose-Potential

Eigentlich klingt es wie ein Traum: einfach den Mund spülen und die Lösung dann im Labor untersuchen, und schon kann man erkennen, ob sich ein Magenkrebs entwickelt oder bereits vorhanden ist. Ohne weitere aufwändige Maßnahmen. In der Tat deutet sich an, dass dies ein brauchbarer Weg für die Zukunft ist. US-Forscher haben in der Analyse genutzter Mundspüllösungen verschiedene Keime identifiziert, darunter solche, die mit Magenkrebs in Verbindung stehen. Diese Krebsart ist besonders gefährlich, da sie schwer zu heilen ist; Magenkrebs hält weltweit den vierten Platz in der Liste der Krebs-Todesursachen. Zudem sprechen die Studienergebnisse dafür, dass die Diagnose über die Mundspüllösung bereits Vorstadien von Magenkrebs erkennen lässt. So ließen sich, erwarten die Wissenschaftler, schon sehr früh Erkenntnisse sammeln, die vor Ausbruch des Magenkrebses bereits Ansätze zur Behandlung bieten und damit das Heilungsgeschehen optimieren könnten. Aufgrund der motivierenden Datenlage sind nun weitere und größer angelegte Studien an mehreren Orten geplant, um zu überprüfen, ob sich das Diagnostik-Potential von Mundspüllösungen für den Einsatz in der Praxis eignet.

Endoprothesen: antibiotischer Schutz sinnvoll

Die Anzahl der Patienten mit künstlichen Gelenken (Endoprothesen) in Zahnarztpraxen nimmt immer mehr zu. Das ist insofern herausfordernd, weil solche Patienten ein höheres Risiko haben, aufgrund einer bakteriellen Infektion über den Mund – beispielsweise bei Blutungen im Rahmen der Zahnbehandlung – eine Entzündung rund um das neue Gelenk zu erleiden. Während es bereits für Patienten mit Herzerkrankungen Richtlinien zur antientzündlichen Abschirmung gibt, liegen solche Empfehlungen für Endoprothesen-Patienten noch nicht als Leitlinie vor. Die wissenschaftliche Fachgesellschaft für Endoprothetik rät lediglich dann zu einer Antibiotikum-Vorsorge, wenn mit blutenden Eingriffen zu rechnen ist. Dabei wird außer acht gelassen, dass schon eine Zahnsteinentfernung, zumal bei entzündetem Zahnfleisch, zu Blutungen führen kann. Aktuell gibt es eine Vielzahl von halbwegs auf die Thematik eingehenden Studien, die aber alle nicht vergleichbar angelegt sind und deren Ergebnisse daher nicht zu einem übereinstimmenden Ergebnis führen. Am besten sei es, schon vor einem geplanten Einsatz von Ersatz-Gelenken die Mundgesundheit sanieren zu lassen und dann gesund zu erhalten, um Infektionsrisiken zu senken. Letztlich – so eine Fachveröffentlichung – müssen derzeit Zahnarzt und Patient in jedem Einzelfall entscheiden, ob sie einen antibiotischen Schirm aufspannen möchten: Ausschlaggebend ist der allgemeingesundheitliche Zustand des Patienten und die erwartbare Belastung durch den bevorstehenden zahnärztlichen Eingriff.

Würgereiz: Ablenkung hilft

Genaugenommen ist der Würgereiz etwas sehr Sinnvolles und Gutes: Er gehört zu den Reflexen, die man kaum steuern kann, und er schützt die Atemwege und die Verdauungsbereiche des Körpers vor unerwünschter Zufuhr von Sachen oder Lebensmitteln, die uns schaden könnten. Leider behindert der Würgereiz auch etwas, was uns nutzt: die Behandlung beim Zahnarzt. Auslöser in der Zahnarztpraxis können Berührungen an empfindlichen Mundregionen sein, rotierende Instrumente können ebenso zu Irritationen führen wie Geruch und Geschmack von Materialien – und er kann sogar auch dann auftreten, wenn Patienten an eine Mundbehandlung nur denken. Das wiederum könnte sich aber auch als Lösung erweisen: Iranische Forscher haben viele Studien rund um den Würgereiz bei zahnärztlicher Behandlung ausgewertet und festgestellt, dass Ablenkung in der Tat ein guter Weg sein kann, das Würgen und Erbrechen zu vermeiden. Besonders dann, wenn anspruchsvolle Denkspiele gemacht werden, überdeckt dies die Würgereiz-Mechanismen. Auch Lower-Level-Laser-Verfahren an Akupunkturpunkten können den Würgereiz managen. Empfohlen werden kann, aus dem Erfahrungsschatz in den Zahnarztpraxen, Würgereiz-Selbst-Management: Ein hilfreicher Punkt für eine Finger-Druck-Massage ist beispielsweise die Kinn-Mitte. Es gibt auch andere Bereiche, die für Ablenkung durch Druck auf einen Akupunkturpunkt helfen – hier hat möglicherweise das Behandlungsteam in der Hauszahnarzt-Praxis einige gute Tipps.