Zu den vielen hoch komplexen und ebenso eindrucksvollen Funktionen in unserem Körper gehört das Immunsystem: Wir könnten nicht überleben, wenn es ausfällt. Und, vereinfacht gesagt: Wenn es schwächelt, werden wir krank. Was Ärzte immer wieder beobachten, hat sich kürzlich eine große interdisziplinäre Forschergruppe an der Medizinischen Hochschule Hannover als Studienobjekt vorgenommen: Kann es sein, dass das Immunsystem im Alter schwächelt – und wenn ja, warum? Was schwächt die Einsatzkraft und erhöht dadurch das Risiko, eine belastende Infektion zu erleiden und im schlimmsten Fall an ihr zu sterben? Und trifft die Beobachtung zu, dass ältere Menschen offenbar ein Immunsystem mit reduzierter Wirksamkeit haben? Die Vielfalt der beteiligten medizinischen Disziplinen ließ eine sehr umfangreiche Fragestellung und Fachgrenzen-überschreitende Auswertung zu. Das Immunsystem jüngerer Menschen wurde verglichen mit dem der Älteren, chronisch Kranke mit Gesunden, adipöse Menschen mit schlanken. Auch wenn jedes Immunsystem letztlich individuell ist, zeigten sich doch einige allgemeine Ergebnisse. Ohne nun in die komplexen zellbiologischen Details einsteigen zu wollen, zeigt sich im Studienergebnis doch deutlich, dass es gruppenspezifische Besonderheiten gibt. Beispielsweise ist das weibliche Immunsystem etwas anders aufgebaut als das Männliche. Junge Menschen haben ein partiell anderes als alte Menschen. Erkrankungen von Fettleibigkeit über Herzerkrankungen bis hin zu besonderen Formen von Gicht zeigen ebenfalls jeweils ein eigenes Muster. Auch schlafende Virus-Infektionen verändern die Zell-Konstellation im Immunsystem. Das Ergebnis mag nicht wirklich verwundern, ist, da es mit Daten und Zell-Forschung belegt ist, aber ein klarer Beweis der Theorie, dass es „das Immunsystem“ gar nicht gibt. Bei Behandlungen sollte daher differenziert betrachtet werden, mit welcher speziellen Unterstützung oder Schwäche man beim Immunsystem als Partner beim Heilprozess achten muss.
- 9. April 2026
